schellerlaufen2_fasnacht_nassereith.JPG © Imst Tourismus

Anfang 2016 wird die Region im Herzen der Tiroler Berge zur Fasnachts-Hochburg: Erstmals nach 2004 finden zwei der größten Fasnachten des Alpenraums im selben Jahr statt. Auf das Schellerlaufen in Nassereith am 24. Jänner folgt das Imster Schemenlaufen (31. Jänner). Der Schlusspunkt des traditionsreichen Reigens steigt am 7. Februar in Roppen.

Lebendiges Brauchtum und Tradition, gepaart mit aufwändig gestalteten Masken, Kostümen und Wägen - dazu die Leidenschaft und das Herzblut jedes einzelnen Teilnehmers – die Fasnachtsumzüge in der Ferienregion Imst stellen wahrlich einen famosen Anblick dar. Zu Recht wurde das Spektakel dafür von höchster Stelle gewürdigt und ausgezeichnet. Die UNESCO nahm das Imster Schemenlaufen 2012 als ersten Brauch Österreichs in die „Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit“ auf. Das Schellerlaufen in Nassereith folgte kurze Zeit später. Die „Fasnachtler“ sehen die Auszeichnung als große Ehre. Es ist eine Anerkennung der Leistung aller Teilnehmer und deren Bestreben, das von älteren Generationen überlieferte Erbe unverfälscht zu erhalten.

Bodenständige Bräuche
Die Ferienregion Imst ist bekannt für ihre traditionellen und zugleich höchst lebendigen Fasnachtsbräuche. Dieses ursprüngliche Tiroler Brauchtum versprüht den Charme vergangener Tage. Jahrhundertealte Traditionen werden damit hochgehalten. Die einzelnen Figuren verkörpern gelebte Mystik im Zeitalter der modernen Technik. Das magische Schauspiel lockt tausende Zuseher aus nah und fern an. Im kommenden Jahr zahlt sich ein Imst-Besuch doppelt aus, denn innerhalb von acht Tagen finden die weit bekannten und farbenprächtigen Fasnachten in Imst und Nassereith statt, die zu den bedeutendsten im gesamten Alpenbogen zählen. Was macht diese Veranstaltungen so herausragend?

Großartiges Ensemble hunderter Masken
Rund 900 Imster Männer wirken aktiv am Schemenlaufen mit, das alle vier Jahre stattfindet. Das bunte Treiben folgt strengen Regeln, die seit Jahrhunderten gelten. Die ältesten bekannten Dokumente reichen bis 1597 und 1610 zurück. Im Zentrum stehen Roller und Scheller und ihr Tanz, das Gangle. Dabei bewegen sich Roller und Scheller elegant, an ein Ritual erinnernd und lassen dabei Schellen und Rollen vielstimmig erklingen. Für den Roller gilt es, Eleganz und Sprungkraft zu demonstrieren. Indes muss der Scheller sein bis zu 35 kg schweres „Gschall“ (handgeschmiedete, an den Hüften befestigte Kuhglocken) in makellosen Klang versetzen.

Ordnung muss sein
Begleitet werden die Hauptfiguren von den Sacknern, Spritzern und den Kübelemajen, den Ordnungsmasken, die mit Stoffsäcken, Wasserspritzen und Puder den Platz zwischen den Menschenmengen schaffen. Hexen, Hexenmusik, Laggeroller, Laggescheller, Bären, Kaminer, Labara, Vogelhändler und eine Reihe anderer Akteure sorgen mit ihren Masken und Taten für Bewunderung und Begeisterung auf Seiten der Zuseher. Den Abschluss des Umzuges bilden die aufwendig gefertigten Fasnachtswägen, die aufgrund ihrer Größe kaum durch die engen Gassen der Kleinstadt passen. Monatelange, intensive Vorbereitungen gehen diesem altüberlieferten Spektakel voraus.

Kunstvolle Holzlarven
Derselbe Trubel wie beim Schemenlaufen in Imst erfasst eine Woche vorher Nassereith, wenn nach drei Jahren Wartezeit am 24. Jänner wieder das traditionelle Schellerlaufen stattfindet. Klar festgelegte und seit Generationen überlieferte Regeln legen auch hier den Ablauf fest. Im Mittelpunkt steht dabei der Sieg des Frühlings über den Winter, der von den Figuren des Bären und des Bärentreibers verkörpert wird. Jede der großen Tiroler Fasnachten hat ihre Eigenheiten, das Nassereither Schellerlaufen ist vor allem durch die unvergleichlichen und ausdruckstarken Holzmasken heimischer Künstler bekannt. Die glanzvollen und in Seide gehaltenen Gewänder und Kostüme des „Schönen Zuges“ sorgen für die famose Farbenpracht des Umzuges. Die handverarbeiteten und mit kunstvollen Stickereien versehenen Gewänder sind allesamt Unikate und verleihen jeder einzelnen Fasnachtsfigur eine unverwechselbare Note. Gemeinsam mit den Hauptmasken wie Scheller, Roller und Kehrer bieten Hexen, Karner, aufwändig gestalteten Festwägen und zahlreiche weitere Masken ein unvergessliches Erlebnis.

Die Mittagsglocke
Ein ganz besonderer Moment einer jeden Fasnacht ist der Zeitpunkt vor Beginn des Umzuges um 12 Uhr. Dort steigt der Puls der Teilnehmer. Pure Emotion liegt in der Luft. Alles wartet gespannt, jeder fiebert dem großen Auftritt entgegen. Sekunden vor dem Start herrscht angespannte Stille. Nach dem letzten Schlag der Kirchenglocke erwacht das wilde Treiben. In Nassereith etwa mit dem Erscheinen der Masken aus dem Hotel Post. Als erstes kommen die Schnöller durch das Tor, gefolgt vom lauten Jauchzen der Sackner und den Spritzern. Gruppe um Gruppe formiert sich am Postplatz zu einem Kreis. In Imst schaffen Sackner, Spritzer und Kübelemaje Platz für die Hauptmasken Roller und Scheller, die bereits im Hintergrund auf ihren großen Auftritt warten.

Drei Wochen Fasnacht
Neben den großen Umzügen in Imst und Nassereith sorgen auch in anderen Orten der Ferienregion wie Roppen und Tarrenz sehenswerte Fasnachtsbräuche für ein farbenprächtiges Fest. Die Roppener Fasnacht findet am 7. Februar statt und markiert somit das Finale des dreiwöchigen, ausgelassenen Treibens. In Roppen wurde diese Tradition schon Anfang des 20. Jahrhunderts regelmäßig abgehalten. Die Wurzeln reichen weiter zurück.

In Tarrenz ist es am 29. Jänner 2017 so weit – und der Umzug lockt wiederum tausende Besucher in die Gurgltal-Gemeinde. Hier gibt es sogar ein eigenes Fasnachtsbier – gebraut in der ortsansässigen Brauerei Starkenberg – bekannt für das meist prämierte Bier Österreichs.

Volkskultur vereint
Ein Großteil der Bevölkerung ist in die Fasnachten eingebunden. Das „Fasnachtsfieber“ wird von Generation zu Generation weitergeben. Diese Tradition umfasst für die Bewohner der Region ein Stück Heimat und sie sind stolz darauf. Die Begeisterung drückt sich unter anderem im Imster Fasnachtsmarsch aus, wo es sinngemäß heißt: „Die Fasnacht wird von den Imstern gemacht. Und könnten wir nicht mehr in die Fasnacht gehen, wäre das Leben nicht mehr schön!“ Auch in Nassereith, Roppen und Tarrenz ist die Leidenschaft für den Brauch allgegenwärtig. So mancher Umzug wurde bereits live auf ORF oder ServusTV übertragen. Dazu gab es Berichterstattungen internationaler TV-Stationen. Doch wehe einer nennt das ursprüngliche Spektakel „Fasching“ oder gar „Karneval“. Die Einheimischen hören diese für sie abwertenden Bezeichnungen ihrer Bräuche gar nicht gerne.

 

Fasnachten in der Ferienregion Imst:

Schellerlaufen Nassereith
24. Jänner 2016
www.fasnacht-nassereith.at

Imster Schemenlaufen
31. Jänner 2016
www.fasnacht.at

Roppener Fasnacht
7. Februar 2016

Tarrenzer Fasnacht
29. Jänner 2017
www.fasnacht-tarrenz.at